Divination

Die Kleinen Arkana

Schön, dass du wieder dabei bist bei unserem gemeinsamen Einstieg ins Tarot. Schauen wir uns heute den umfangreichsten Teil des Tarot an: Die Kleinen Arkana.

Weil diese Karten den größten Teil eines Tarotdecks ausmachen, kann es schon mal abschrecken, sich damit eingehend zu befassen. Übrigens war das bei mir nicht anders, bis ich genug Bücher gewälzt und Informationen zusammengetragen hatte. Keine Sorge, hier ist eine Kurzfassung für dich.

Wegen der klaren Logik und der durchgängigen Struktur ist es verhältnismäßig einfach, diese Karten auch ohne Lehrgang zu verstehen. Deswegen möchte ich dich einladen, die dicken Wälzer mit den fertigen Deutungen mal zur Seite zu legen. Das kommt später noch. Heute schauen wir uns erstmal das „Gerüst“ an.

Immer dran denken: Lernen ist eine Reise, kein Rennen.

Was sind die Kleinen Arkana genau?

Allein aus der Optik und dem Aufbau wird hier schon sehr deutlich, wo der Ursprung dieser Karten liegt. Die 56 „kleinen Geheimnisse“ (von lat. arcanum = Geheimnis) des Tarot entstammen dem Spielkartenblatt des Marseiller Tarock.

  • Zuerst kannst du die vier „Farben“ oder Kartenfamilien klar erkennen. Diese kommen dir vielleicht aus dem ein oder anderen Spielkartenblatt bekannt vor:
    Stäbe, Kelche, Schwerter und Scheiben. Oder auch Kreuz, Herz, Pik und Karo.
  • Dir wird auffallen, dass es Karten mit Zahlen gibt, und Karten mit einer benannten Figur, die Hofkarten.
  • Ganz am Anfang wurde mit Spielkarten gedeutet – und zwar bevor diese aufwändig illustriert und mit Szenen bebildert waren. Erst im letzten Jahrhundert sind die unzähligen wunderschönen Decks entstanden, die wir heute verwenden.

Worum geht es in den Kleinen Arkana?

Entgegen den großen ‚Lebensthemen‘ der Großen Arkana konzentrieren sich die Kleinen Arkana auf eher kurzfristige Entwicklungen. Jetzt könnte ich einfach sagen: ‚Alltagsthemen‘ eben, wie das meistens auch im Handbuch steht.

Nun, ganz so banal ist es nicht. Denn die Kleinen Arkana können dir durchaus einen sehr differenzierten Einblick in dein Thema geben. Vor allem mit ihrer besonderen Struktur der vier Farben und den zugehörigen kleinteiligen Zahlenreihen kannst du einen Entwicklungsstand in einem bestimmten Lebensbereich sehr genau abfragen. Hinzu kommen die Hofkarten, die auf bestimmte Personen in deinem Leben oder Persönlichkeitsanteile hindeuten können.

Wie sind die Kleinen Arkana aufgebaut?

Die insgesamt 56 Karten werden in der gängigen Version wie folgt unterteilt:

  • 4 Farben (Stäbe, Kelche, Schwerter, Scheiben) zu je 14 Karten,
  • unterteilt in jeweils 10 Zahlenkarten von Ass (Eins) bis Zehn
  • und darauf folgend je 4 benannte Hofkarten in aufsteigender Reihenfolge (Page/Prinzessin, Ritter/Prinz, Königin/Mutter, König/Vater).

Übrigens sehen manche Decks die Hofkarten nicht als Teil von Kleinen oder Großen Arkana an, sondern als etwas eigenes. In den meisten Decks wirst du aber das obige Schema wiederfinden.
Wie ist dein Deck aufgebaut? Lege die Karten doch mal vor dir aus.

Was bedeuten die Farben?

Die Spielfarben sind im Tarot den vier Elementen zugeordnet und bezeichnen mit ihrem sprechenden Symbol jeweils einen Lebensbereich. Auch in den meisten anderen Decks wird diese gängige Zuordnung des Rider-Waite-Smith-Decks verwendet:

(engl. wands, staves) – aktives Element

Wille, Kraft, Intuition, Seele, Kreativität, Ziele und Pläne, Lebensgestaltung, Mut

in anderen Decks: Bögen, Zepter, Lanzen, Knochen…

(engl. cups) – passives Element

Emotion, Instinkt, Gefühl, Herz, Liebe, Hoffnungen und Ängste, Gefühle und Beziehungen, Träume

Name in anderen Decks: Kessel, Tränen, Herzen…

(engl. swords) – aktives Element

Denken, Intellekt, Verstand und Lösungen, Sprechen und Verhandeln, Grenzen, Aktivität und Aggression, Gedanken

in anderen Decks: Pfeile, Messer, Klingen, Federn…

(engl. discs, pentacles) – passives Element

Materielles, Praktisches, Körper und Besitztümer, Ressourcen und Wurzeln, Harmonie und Balance

in anderen Decks: Münzen, Schilde, Steine, Schädel…

Übrigens basiert diese Gliederung auf der antiken Vier-Elemente-Lehre der Alchemie. Diese alte philosophische Einteilung der Welt in die elementaren Grundsätze Feuer, Wasser, Luft und Erde liegt der modernen Auslegung des Tarot zugrunde. Darauf werfen wir im Lauf der Reihe noch einen genaueren Blick.

An diesem Punkt ist dir sicher aufgefallen, dass es unheimlich viele Namen für mehr oder weniger ein und dieselbe Sache gibt. Anfangs hat mich das völlig verwirrt. Dabei hilft es, sich Vergleiche in anderen Decks zu suchen.
Gibt es vier Farben? Befassen diese vier Farben sich thematisch mit Seele, Gefühlen, Verstand und Körper oder den zugehörigen Themenbereichen? Mit einem Blick über den Tellerrand kannst du dir auch ein völlig exotisches Deck erschließen.

Viele Decks haben tatsächlich ihre eigenen Begriffe passend zu ihrem Thema, die aber alle auf diesem einfachen Prinzip aufbauen. Auch wenn dein Deck mit schamanischem Thema zum Beispiel von Knochen, Tränen, Hörnern und Wurzeln spricht, kannst du auch in diesen Bildern noch ein wenig das Element erkennen.

Was bedeuten die Zahlen?

Die Zahlen geben an, in welcher Reihenfolge die Karten zueinander stehen und welche Wertigkeit sie haben. Wenn du die Eins oder Ass als Anfang siehst, ist die Zehn das Ende und der Übergang ins neue Thema – zum Beispiel einer persönlichen Entwicklung. Dementsprechend zeigt eine fünf die Mitte und damit Veränderung an – und mit der neun hast du ein Ergebnis in der Hand.

Einige Interpretationen legen der ganzen Reihe numerologische Betrachtungen zugrunde. Andere stellen für jede Zahl eigene Bedeutungen zusammen oder ziehen den Lebensbaum der Kabbala hinzu.

Eine einfache Variante möchte ich dir ans Herz legen: schau dir die ersten zehn Karten der Großen Arkana an. Denn oft kannst du hier übereinstimmende Bedeutungen finden. Zum Beispiel wäre ein Ass der Scheiben dann die Energie des Magiers im Element Erde, das den Anfang einer materiellen Entwicklung markiert.
Als Bild: Ein Samen wird gelegt, damit sich die Idee später entfalten kann.

In einem späteren Beitrag werde ich noch genauer auf die einzelnen Zahlenbedeutungen eingehen.

Und die Hofkarten?

Kurzgesagt: Die Hofkarten sind ein wenig die ‚kleinen Trümpfe‘ jeder Kartenfarbe. Im Spielkartenblatt werden sie dazu verwendet, einen Stich zu entscheiden. Daher haben diese Figurenkarten eine aufsteigende Reihenfolge.

Die Benennung der Figuren folgt fast immer dem Thema des Decks und orientiert sich an der zugehörigen Elementeigenschaft. Daher ist es gut, wenn du die Eigenschaften und Themen der Elemente kennst, die ich oben beschrieben habe.

  • Die höchste Wertigkeit hat das aktive Element Feuer und ist daher meist männlich oder weise und reif belegt mit König, Ritter, Herrscher, Vater…
  • Danach folgt das passive Element Wasser mit einer weiblichen oder erwachsenen Belegung als Königin, Herrscherin, Mutter…
  • An dritter Stelle findest du das aktive Element Luft wieder mit oft männlicher oder jugendlicher Besetzung als Prinz, Ritter, Sohn…
  • Zuletzt folgt das Element Erde mit passiver Qualität und daher siehst du häufig weibliche oder auch kindliche Benennungen wie Page, Prinzessin, Tochter…

Diese Einteilung stellt keine Bewertung der Geschlechter dar, sondern eher eine Darstellung eines Reifegrads.

Klingt schwierig? Im nachfolgenden Bild siehst du, dass sich in den Hofkarten immer zwei Elemente kreuzen. Durch diese Mischung der Qualitäten gibt es Karten mit beispielsweise starker aktiver/männlicher Energie (König der Stäbe) und eher ausbalancierte Karten, deren Elemente gut miteinander harmonieren (Königin der Scheiben).

Die Hofkarten und der Einfluss ihrer zugehörigen Elemente.

Dementsprechend siehst du hier ein Modell von 16 Persönlichkeitstypen vor dir. Und damit ahnst du jetzt sicher auch, worauf sich diese Karten beziehen können:

Es geht hier um Anteile deiner eigenen Persönlichkeit, die für deine Frage wichtig sein können. Oder auch Personen in deinem Umfeld, welche in dir vielleicht eine bestimmte Reaktion hervorrufen – je nach Deutungsstil und Thema.

Was hat es mit der Qualität auf sich?

Weil in der Lehre von den Elementen jedes Element eine ganz eigene Dynamik mitbringt, haben die Karten eine Qualiät. Damit kannst du einordnen, wie die Karte wirkt:

Je nach Energie ist die Karte aktiv und auswärtsgerichtet, oder passiv und nach innen gerichtet.

  • Auch in der realen, physischen Welt gelten solche Gesetze. Die Kräfte suchen nach einem Equilibrium, versuchen sich also auszugleichen: Ungleiches strebt vorwärts um stabiler zu werden – und stabile Dinge müssen ungleich werden um wachsen oder sich verändern zu können.
  • Daraus entsteht die stetige Wellenbewegung von yin und yang, passiv und aktiv, weiblich und männlich, dunkel und hell, weich und fest, sanft und kräftig, …

Darin ist auch schon der Schlüssel zu den Zahlenwerten gelegt: Ungerade Zahlen haben stets eine aktive, suchende und auswärts gerichtete Energie, wohingegen gerade Zahlen stabil und in sich ruhend sind.

Hier siehst du oben die Großen Arkana und unten die zugeordneten Kleinen Arkana.

Wie kann ich das in einer Legung nutzen?

Nun kannst du ganz systematisch vorgehen. Du ziehst zum Beispiel eine Drei der Kelche. Damit hast du eine Karte vor dir, die

  • dem passiven Element Wasser zugeordnet ist und sich mit Gefühlen und Beziehungen befasst,
  • wegen der ungeraden Zahl 3 eine aktive Energie hat,
  • von der Energie der III – Kaiserin beeinflusst ist und deren Thema damit Wachstum ist
  • und zwei sich ausgleichende Qualitäten besitzt, also harmonisch ist.

Daraus kannst du schon schließen, dass es hier um das Gedeihen von Gefühlen oder Beziehungen in einem größeren Umfeld geht. Da harmonische Gefühle im Spiel sind, liegt der Schluss auf Familie oder Freunde oder auch ein gut funktionierendes Team nahe.

Jetzt geht es in die Feinheiten: Hier kommt wieder das genaue Thema deines Decks und die Gestaltung der Illustration ins Spiel. Deswegen ist hier ein guter Zeitpunkt, im Handbuch nachzuschlagen. Oder um dir das Bild genau anzusehen und auf deine Intuition zu hören.

Wow. Das war erstmal viel…

Nun, den umfangreichsten Teil hast du jetzt geschafft. Du siehst jetzt, die Kleinen Arkana lassen sich prima in kleine Happen aufteilen – und somit logisch ordnen und erschließen.

Zieh doch gern einmal eine beliebige Karte der Kleinen Arkana aus deinem Deck und leg sie vor dich. Dann schau mal, ob du sie schon einordnen kannst. Schreib mir gern unten, ob das für dich funktioniert hat.

Im nächsten Beitrag schauen wir uns die Zahlenkarten genauer an. Danach kannst du dich auf die Hofkarten freuen. Und bis dahin freuen wir uns auf deine Gedanken und Fragen. Wie gehst du vor, um dir die Kleinen Arkana zu erschließen?

Bildquelle: art-of-joan
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